Auf dem Weg zur inklusiven Gesellschaft

Menschen mit Behinderungen

Die wesentlichste Veränderung zur Aufhebung von Diskriminierung und gesellschaftlichem Ausschluss von Menschen mit Behinderung in Deutschland, ist das Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention am 26. März 2009. Diese schützt und stärkt laut Behindertenbericht 2009 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, die Rechte von rund 650 Millionen Menschen weltweit, von denen rund acht Millionen in Deutschland leben.

 Die UN-Konvention verlangt die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Sinne von Inklusion und nicht von Integration, welche ausschließlich für die Anpassung des Individuums an die gegebenen sozialen Verhältnisse steht. Inklusion hingegen verlangt eine weit reichende Veränderung der gesellschaftlichen Institutionen, die nicht mit dem Ziel der Barrierefreiheit allein erreicht ist, obwohl Barrierefreiheit einen Schwerpunkt bildet.

 Hinzu kommen die Anerkennung von Vielfalt als kulturellem Wert und die Forderung nach möglichst großer Selbstbestimmtheit und Mitsprache- bzw. Selbstvertretungsrechten von Menschen mit Behinderung. Im Vierjahresturnus wird die Umsetzung der Konvention durch ein unabhängiges Monitoring überprüft.

Heiner Bielefeldt, der Leiter des Deutschen Instituts für Menschenrechte attestiert der Konvention ein großes Innovationspotential und führt aus: „Der Konvention liegt ein Verständnis von Behinderung zugrunde, in dem diese keineswegs von vorneherein negativ gesehen, sondern als normaler Bestandteil menschlicher Gesellschaft ausdrücklich bejaht und darüber hinaus als Quelle möglicher kultureller Bereicherung wertgeschätzt wird.“ (Bielefeldt 2006).

 Als Leitlinie für die praktische Umsetzung kann der Ansatz des Disability Mainstreaming gelten, sinngemäß übersetzt: „Integration der Perspektive von Menschen mit Behinderung“ oder „Gleichstellung von Menschen mit Behinderung als Querschnittsaufgabe“

„Der Begriff Disability (engl.) kann ins Deutsche übersetzt werden mit Behinderung. Der Begriff Behinderung lässt sich unterscheiden vom Begriff Einschränkung als Beschreibung körperlicher Gegebenheiten. Behinderung bezeichnet somit die soziale Ausgrenzung in Folge einer Einschränkung. Auf diese Unterscheidung verweist die Aktion Mensch mit ihrem Leitspruch „Man ist nicht behindert – man wird behindert“. Behinderung ist in dieser Sichtweise eine Erfahrung, die ein Mensch mit einer Einschränkung durch seine Umwelt und sein Umfeld erfährt (und zwar die Erfahrung, dass dem als „behindert“ Definierten Teilhabe verwehrt wird), und weniger eine persönliche oder angeborene Eigenschaft.“

 Der Ansatz „bezeichnet die Absicht, die Gleichstellung von Behinderten auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen.“

„Darüber hinaus bedeutet Disability Mainstreaming aber, die Bedürfnisse benachteiligter Gruppen nicht gesondert zu behandeln, sondern ihre Gleichstellung von vorne herein zur umfassenden Strategie zu machen.“ (Zitate aus Wikipedia.de: „Disability Mainstreaming“)

Inklusion und Teilhabe sind Querschnittsthemen, die alle politischen und gesellschaftlichen Bereiche betreffen. Sämtliche Institutionen, Bauwerke, Bildungs- und  Kommunikationswege, der Arbeitsmarkt, öffentliche Veranstaltungen, der öffentliche Nahverkehr, politische Mitbestimmung,  etc. sollen für möglichst viele Menschen zugänglich gemacht werden, unabhängig von den individuellen Einschränkungen der jeweiligen Personen.